
Musik oder Lärm? Das liegt wohl immer im Sinne des Betrachters – oder besser: des Hörers. Ein lautes Meeresrauschen kann für pure Entspannung sorgen, wohingegen das leise Surren einer Mücke einen in den Wahnsinn treiben kann. Julian Moffitt von der Musikinitiative Vohenstrauß, Drummer der Bands „Granny Is Back“ und „Daybreak Tragedy“, weiß davon ein Lied zu singen und hat sich selbst einen Schallschutzraum konstruiert und gebaut. Hier ist sein Bericht.
Jeder Musiker mit akustischem Instrument bzw. Mitbewohner und Nachbarn kennen es. Und besonders Drummer haben es schwer. Ihr Instrument hat eben einfach eine gewisse Grundlautstärke. Während wir Musiker in der Musik versinken, kann sich währenddessen ein gefährliches Gewitter zusammenbrauen. Wer so ein „Gewitter“, ohne es zu wollen, schon einmal ausgelöst hat, wird sich sehr schwer tun, sich zuhause wieder richtig in der Musik fallen zu lassen. Und der Haussegen hängt schon mal schief. Dieses unbehagliche Gefühl bekommt man beim Proben nicht mehr aus dem Kopf und es lässt sich auch nicht einfach abschütteln.
Am besten hierfür ist ein abgelegener und gut präparierter Proberaum wie unser Musikzentrum oder eben auch ein Raum mit guter Schalleindämmung. Zuvor hatte ich schon sehr gute Erfahrungen mit einer entkoppelten Bodenplatte gemacht, die aus schweren Sperrholzplatten besteht, die wiederum auf halbierten Tennisbällen gelagert sind. Das ist einfach zu bauen und sehr effektiv gegen Strukturschall, der sonst beim Tritt der Bass-Drum direkt in den Boden hämmert. Auch wenn ein elektronisches Schlagzeug zum leisen Üben gebaut wurde, bleibt das Problem vom Strukturschall. Ich kann so ein Podest also jedem E-Drum-Nutzer in Wohnhäusern nur empfehlen (Budget ca. 50 Euro).
Jetzt kam bei mir allerdings noch dazu, dass in der neuen (Altbau-)Wohnung selbst kleinste Geräusche wie Sprechen einfach durch die Wände gehen und damit auch noch der Luftschall von meinem E-Drumset. Und da war es also wieder: Das unbehagliche Gefühl beim Üben – selbst mit Podest. Aus diesem Anlass habe ich kurzerhand beschlossen, einen kleinen Proberaum nach dem Raum-in-Raum-Prinzip für mein Schlagzeug zu bauen. In Zeiten von Corona hat man ja eh sonst nix zu tun! Hierzu gibt es viele DIY-Anleitungen im Internet, wobei der Komplexität scheinbar bei manchen davon keine Grenzen gesetzt sind. „Das geht einfacher“, dachte ich. Also ging es bei mir gleich mit einer kleinen Skizze des Raumes los. Hierzu hab ich mir Gedanken gemacht, was er können sollte: Luft- und Strukturschall eindämmen, einen Eingang für Equipment haben, ausreichend Licht und Strom liefern und ein angenehmes Klima zum Proben bieten.
Aus der Skizze wurde schließlich die Einkaufsliste für den Baumarkt. Holz, Holz und noch mehr Holz. 34×34 mm Streben für das Gerüst, 12 mm OSB-Platten für die Wände und Decken. So kommen nach und nach knapp 150 kg Holz auf das nun vergrößerte Podest drauf. Alle Spalten wurden mit Silikon abgedichtet, aus der sonst neue Schallwellen nach außen hervorgehen. Nachdem die Tür nun auch mit einfachen Scharnieren montiert wurde und gegen den Rahmen schließt, der mit Fensterdichtungsband beklebt wurde, folgt ein erster Test der kleinen Musik-Kammer-des-Schreckens.
Die Sperrholzwände schwingen bei Impulsen – vor allem durch die Bass-Drum – in sehr tiefen Frequenzen und leider ist der Raum so irgendwie zu einem Subwoofer geworden. Ich hatte mich schon gefreut, endlich fertig zu sein, aber okay. Weitere Streben haben dabei geholfen, die Wände zu versteifen und zu höheren Frequenzen zu verstimmen, die leichter abklingen. Mehr Masse an der Wand könnte auch noch helfen, wie z.B. durch Trockenbauwände. Das ganze funktioniert jetzt gut genug, sodass ich ohne Sorge jetzt endlich wieder richtig abrocken kann. Eine tolle Beschäftigung während den etwa zwei Wochen war das allemal und mit knapp 350 Euro Materialkosten noch ein überschaubarer Rahmen. Knapp die Hälfte entfiel übrigens auf die rund 400 Schrauben.